Salzburger Straße/ Froschhamer Weg, Bad Reichenhall 1.Preis

Salzburger Straße/ Froschhamer Weg, Bad Reichenhall 1.Preis

Leitidee
Der spannungsvolle, bauliche Kontrast zwischen den kleinteiligen, dichten Bau- und Platzstrukturen des alten Stadtkerns und der mächtigen Geometrie der Saline soll in seiner baulichen Typologie und räumlichen Qualität auf Wohnbebauung und Landratsamt am „anderen Ende“ der Stadt übertragen werden.
Die Salzburger Straße, in Verlängerung der Ludwigstraße beginnt zentral am Rathausplatz vis à vis der Saline, und führt in mehrfach geschwungener Linie bis zum neuen Platz vor dem Landratsamt. Die Bewegungsführung leitet in den Innenhof weiter und endet ein Geschoß über dem Gelände mit Ausblick in die Landschaft.

Städtebauliches Konzept
Die topographisch geschwungene Landschaft nördlich des Froschammer Wegs mit dem alten Baumbestand wird belassen und bildet die südliche Grenze der neuen Wohnbebauung. So entsteht eine grüne Fuge zur Einfamilienhausbebauung am Froschhammer Weg. Der Schallschutz zur Bundesstraße wird durch drei Wohnhöfe erreicht, die jeweils zur Straße hin eine viergeschossige, zehn Meter schmale Zeile ausbilden und sich nach Süden öffnen. So kann das Bestandshaus auf der Flurnummer 200/2 zunächst in das Konzept eingebunden werden. Später kann der mittlere Hof eine deutlichere Ostgrenze erhalten. Der Platz bildet das Scharnier zwischen Wohnbebauung und Landratsamt, das als Teil des dichten, städtischen Gefüges interpretiert wird. Der Geschoßwohnungsbau wird als Gegenüber zur kleinteiligen Bebauung am Froschhammer Weg im Süden durch niedrige Reihenhäuser, abgelöst.

Erschließung
Die motorisierte Erschließung erfolgt ausschließlich über die Salzburger Straße und den Platz vor dem Landratsamt. Von dort werden die drei Tiefgaragen unter den Wohnhöfen angefahren, die auch die südlichen Hausgruppen versorgen. Der Froschhammer Weg wird nicht zur Erschließung des neuen Gebietes herangezogen. Es folgen daher keine Beeinträchtigungen der bestehenden Bebauung. Für Fußgänger und Radfahrer gibt es ein Wegenetz, das sich in ost- west und nord-süd Richtung eng mit der Umgebung verknüpft:
Eine neue Verbindung entsteht vom künftigen Bahnhaltepunkt „Bad Reichenhall Nord“ durch eine Unterführung unter der Bundesstraße auf den Platz vor dem Landratsamt und weiter über den kleinen Quartiersplatz, den Froschhammer Weg in den Waldweg hinein. Ebenso wird an die vorhandenen Wege im Westen angebunden.

Landratsamt
Das strenge viergeschossige Rechteck des Landratsamtes erfährt eine diagonale Auflockerung durch den Eingang in den Innenhof im Nordwesten und den Ausblick nach Osten. Der Innenhof ist ein zentraler Freiraum zur Pausenerholung der Mitarbeiter, ebenso wie für die Besucher. Bei gutem Wetter sind die Sitzstufen mit Blick in die Landschaft ein angenehmer Aufenthaltsort; geschützter ist die Freifläche der Cafeteria im Innenhof. Die Energiezentrale ist auf den beiden unteren Ebenen in den Nordflügel des Landratsamtes integriert. Sie kann gut von Norden angeliefert werden. Im Anschluss daran liegt der Sitzungssaal und schiebt sich prominent in den Innenhof hinein. Die strenge Geometrie bietet gute Voraussetzungen für eine Holzbauweise.

Dachformen
Durch die nahen Berge ist in Bad Reichenhall der Blick auf die Dächer, also die fünfte Fassade von besonderer Bedeutung. Deswegen wird das in der Umgebung typische, flach geneigte Satteldach vorgeschlagen, langgezogener First im Bereich der schmalen Lärmschutzbebauung, und kurze Reihen giebelständiger Gebäude mit einer Abfolge flach geneigter Satteldächer und Grabenrinnen. Das Landratsamt erhält ein extensiv begrüntes Flachdach.

Lärmschutz
Sämtliche Aufenthaltsräume und private Freiräume der nördlichen Häuser orientieren sich nach Süden zum Innenhof. Ein drei Meter breiter Pufferstreifen an der Nordseite nimmt das quergestellte Treppenhaus, im Erdgeschoss die Müll- bzw. Radräume, in den Obergeschossen die Bäder und Küchen auf. Dadurch sind Wohn- und Schlafräume gut abgeschirmt.

Parkpalette
Die Parkpalette folgt dem abfallenden Gelände auf zwei Ebenen und gräbt sich dabei halbgeschossig ein. Sie ist überschattet von einem Baumdach aus Platanen. Somit tritt das Parken nicht als Gebäude in Erscheinung, sondern wirkt als grüner Keil zwischen Bundesstraße und Landratsamt.

Blick/Weg-Führung
Der schwingende Lauf der Salzburger Straße mündet in eine Blickbeziehung über den Innenhof des Landratsamtes in die Landschaft.
Der Freiraum nimmt die bestehenden Qualitäten und Potentiale der Ortsrandlage mit wertvollem Baumbestand und bewegter Topographie auf und lässt klar ablesbare Räume ganz eigener Qualitäten entstehen. Die versiegelten Wege- und Platzflächen folgen der Logik der Erschliessung und formulieren, mit der städtebaulichen Setzung einhergehend, geschlossene Strassen- und Platzräume unterschiedlicher Dimension und Nutzbarkeit. Diese Räume entstehen in intensiver Auseinandersetzung mit den Volumina und angedachten Nutzungen der Baukörper.
Auf ein durchgehendes Straßennetz für den MIV wird ganz bewusst verzichtet, um hochwertige autofreie Wohnbereiche zu erhalten. Die Salzburger Straße mündet in den zentralen Platz, der dem Landratsamt eine klare Adresse verleiht und mit Bushaltestelle und Einzelhandelsnutzung in den Erdgeschosszonen einen klaren öffentlichen Charakter erhält. Die bewusst frei gehaltene Fläche dient dabei der individuellen Bespielung für bspw. Sommerfeste oder Wochenmärkte, aber auch dem Katastrophenschutz.

Projekt:
Salzburger Straße/ Froschhamer Weg

Ort:
Bad Reichenhall

Fläche Planungsgebiet:
4,6 ha

GRZ:
0,53

Geschossfläche:
28.519 m²

Landschaftsarchitektur:
Burger landschaftsarchitekten

Auslober:
Landkreis Berchtesgadener Land

Status:
städtebaulicher Ideenwettbewerb
09/ 2018