Baugebiet Alpenstraße in Puchheim – 1. Preis

Baugebiet Alpenstraße in Puchheim – 1. Preis

Leitidee
Eine breite, öffentliche Multifunktions- und Kommunikationsfläche verbindet als Spange die Alpenstraße im Westen mit dem Grünzug am Kleinen Ascherbach im Osten. Hier liegen alle dienenden Funktionen eingebettet: im Osten die zentrale Parkscheune, die den motorisierten Verkehr nahe an der Alpenstraße aufnimmt, im Westen die Kindertagesstätte mit Gartenflächen am kleinen Ascherbach. Dazwischen entwickelt sich ein zentraler Quartiersanger mit Zugang zu Parkscheune, Carsharing-Station, Lastenrad-Sharing, Kita, Gemeinschaftstreff. Außen an der Alpenstraße liegt die Wertstoffsammelstelle und ganz im Osten am Kleinen Ascherbach gibt es eine Aktivitätsfläche mit Bänken, Boulebahn und Sitzsteinen am und im Bach.

Erschließung und Verkehr
Das Quartier ist weitgehend autofrei konzipiert. Eine zentrale, zweigeschoßige Parkscheune ersetzt Tiefgaragen, die auch wegen des hohen Grundwasserstands vermieden werden. Die kurze Anbindung der Parkscheune an die Alpenstraße reduziert Fahrstrecken.
Die Hauptwegeverbindung für Fuß- und Radverkehr innerhalb des Wettbewerbsgebiets verläuft von West nach Ost und verbindet somit die Alpenstraße mit dem Geh- und Radweg am kleinen Ascherbach. Die Durchwegung entlang der Nord-Süd-Achse verbindet die Wohnbebauung des Ideenteils mit den Freiflächen des Realisierungsteils und sorgt für Begegnungsraum innerhalb des Quartiers.

Wohnen
Von der zentralen Fläche aus werden zwei Wohncluster im Norden erschlossen. Je vier Punkthäuser umgeben einen Hof, an dem alle Hauseingänge und Radstellplätze liegen. Nachbarschaft wird gefördert. Die Häuser sind 3- bis 4-geschoßig. Sie sind typologisch ähnlich, haben aber unterschiedliche Größen. Ein zentrales Treppenhaus erschließt je nach Hausgröße sehr wirtschaftlich zwischen 4 und 7 Wohneinheiten je Geschoß. Die Haustypologie ermöglicht die Entwicklung standardisierter Raummodule und flexibler Wohnungsgrößen. Vom 1-Zimmer-Appartement bis zur 6-Zimmer-WG sind alle Wohnungsgrößen und Formen möglich. Die klare räumliche, funktionale und konstruktive Gebäudestruktur ist insbesondere prädestiniert für das Bauen mit Holz.

Grünraumstruktur und Frischluftströme
Das für das Planungsgebiet prägende Landschaftselement ist die Achse des Kleinen Ascherbachs mit seinem Baumbestand, sowie die östlich angrenzenden Felder. Mit den im Norden des Plangebiets freibleibenden Wiesenflächen kann eine wertvolle Grünvernetzung zwischen Ascherbach und den im Nordosten angrenzenden Biotopflächen entwickelt werden. Zwischen den Wohnclustern weiten sich die Grünflächen zu einem Spielplatz und münden südlich in den zentralen Anger. Die Bebauung mit Punkthäusern vermeidet Barrierewirkung und gewährleistet optimale Durchströmung mit Frischluft.

Freiflächenkonzept
Die Freiflächen gliedern sich in private Grünflächen, halb-öffentliche Gemeinschaftsbereiche für Spiel und Begegnung sowie öffentliches Grün für Retention, Biodiversität und Grünraumvernetzung. Die privaten Bereiche im Norden des Realisierungsteils erhalten durch einen Niveauunterschied eine klare, aber unaufdringliche Trennung zwischen privat und (halb-)öffentlich. Das tiefer gelegene dient gleichzeitig als Stauraum für Starkregen, wobei die Gebäude selbst nicht so tief in das Grundwasser einstehen. Am Kleinen Ascherbach im Bereich der Kita wird der Wasserlauf mit Sitzsteinen und einer Kiesbank erlebbar gemacht.
Das Niederschlagsmanagement folgt dem Prinzip der Schwammstadt. Die Beläge sind so gewählt, dass möglichst viel des anfallenden Regenwassers versickern kann. Eine Mischung aus Wassergebundener Decke und versickerungsfähigem Pflaster (auch Rasenfugenpflaster) ermöglicht eine Überfahrbarkeit für Anlieger, Ver- und Entsorgung sowie Einsatzkräfte, wobei nur diejenigen Bereiche gepflastert sind, die eine barrierefreie Zuwegung ermöglichen bzw. stärker von MIV frequentiert werden. Shared-Space-Flächen schaffen verkehrsberuhigte Bereiche mit Hofcharakter. Sie entschleunigen den motorisierten Verkehr und ermöglichen eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer ohne die Plätze zu zergliedern.
Die Bepflanzung der Freiflächen orientiert sich an heimischen Arten und soll durch standortgerechte, abwechslungs- und strukturreiche Vegetation zu einer hohen Biodiversität beitragen. Großzügige Baumneupflanzungen überwiegend bieten Schatten und Verdunstungskühle. Vertikale Begrünungen an sonnenexponierten Süd- und Westfassaden sorgen für zusätzliche Kühlung. Der Kleine Ascherbach bekommt zusätzlich eine naturnahe Bachbepflanzung mit Totholz und Findlingen. Eingriffe in den Baumbestand entlang des kleinen Ascherbachs werden auf ein Minimum reduziert. Der bestehenden Geh- und Radweg bleibt in seiner aktuellen Form erhalten.

Energiekonzept
Das Quartier wird mit Fernwärme versorgt. Zusätzlich sind auf den höher gelegenen, nicht begehbaren Dächern der Wohnhäuser PV-Paneelflächen installiert, die die Haushalte, mit elektrischen Strom versorgen. Eine PV-Anlage auf der Parkscheune versorgt Ladestationen für E-Autos, die Car-Sharing-Station sowie die Leih-Lastenräder.

Ideenteil
Der Erweiterte Planungsbereich im Süden wird über den zentralen Anger harmonisch und nahtlos an das Planungsgebiet angebunden. Reihenhäuser, Kettenhäuser, Geschoßwohnungen und Bestandsgebäude bilden eine lebendige und vielfältige Nachbarschaft. Die Erschließung erfolgt über eine bestehende Abzweigung von der Alpenstraße. Die notwendigen Stellplätze werden in einem Erweiterungsbau zur Parkscheune nachgewiesen.

 

Projekt
Städtebaulicher Realisierungswettbewerb mit Ideenteil –
Baugebiet Alpenstraße Puchheim

Ort
Puchheim

Auslober
Stadt Puchheim

Landschaftsarchitektur
raum+zeit Landschaftsarchitektur und Stadtplanung

Fläche Planungsgebiet Realisierungsteil
2,4 ha (Realisierungsteil)
3,5 ha (Gesamt)

GFZ Realisierungsteil
0,55 (Realisierungsteil)
0,47 (Gesamt)

GRZ Realisierungsteil
0,17 (Realisierungsteil)
0,16 (Gesamt)

Wohneinheiten
141 WE (Realisierungsteil)
176 WE (Gesamt)

Status
Städtebaulicher Realisierungswettbewerb mit Ideenteil
09/ 2026